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NABU Murrhardt freut sich über seltenen Fund
Sie ist die Würgerin unter den heimischen Schlangen. Statt Giftzähnen nutzt sie ihre Muskeln als Waffen. Hat sie eine Eidechse oder eine andere Schlange aufgespürt, erwürgt die Schlingnatter das Tier. “Sie wartet nicht bis ein Beutetier vorbei kommt, sondern ist eine sehr aktive Jägerin. Ihre Opfer verfolgt sie zuweilen über lange Strecken bis in unterirdische Höhlen hinein”, erklärt Hartmann Widmaier von der NABU-Gruppe Murrhardt.
Vor wenigen Tagen erst konnte Volker Weiß von der NABU-Gruppe ein Exemplar dieser europaweit geschützten Schlangenart am Waltersberg beim Sonnenbad beobachten. Die Schlange nutzte offenbar die letzten warmen Tage bevor die kargen Monate der Kältestarre für alle wechselwarmen Tiere hierzulande beginnen.
Mit einer Körperlänge von 60-70 Zentimetern ist die Schlingnatter die kleinste von insgesamt sechs heimischen Schlangenarten. Sie hat einen kleinen, kaum vom Rumpf abgesetzten Kopf mit zugespitzter Schnauze und glatte ungekielte Schuppen. Ihre Färbung reicht von braun bis gräulich. Charakteristisch sind die vom Nasenloch durch das Auge bis über die Mundwinkel hinausgehenden dunklen Wangenstreifen. “Schlingnattern haben runde Pupillen, was sie deutlich von Kreuzottern unterscheidet, die einen senkrechten Pupillenschlitz aufweisen”, erläutert Weiß. Kreuzottern gibt es aber in Murrhardt nicht.
Die Schlingnatter gehört zu den weniger bekannten Schlangen Deutschlands. Obwohl sie ein großes Areal von den Alpen bis nach Niedersachsen besiedelt, wird sie aufgrund ihrer versteckten Lebensweise oft übersehen. Ein großes Glück für das Reptil: Vermutlich hat die effektvolle Tarnung die Schlingnatter mancherorts vor der Ausrottung bewahrt. Oftmals wurden die für den Menschen völlig ungefährlichen Schlangen erschlagen, weil man sie für gefährlich hielt. Dabei beißt die Schlingnatter nur, wenn sie in Bedrängnis gerät – etwa wenn sie festgehalten wird. „Für den Menschen ist der Schreck dann größer als der Schaden: Die Zähne der Natter hinterlassen lediglich Hautkratzer; Gift besitzt sie keines”, weiß Hartmann Widmaier.
Die Schlingnatter ist nicht scheu und somit extrem gefährdet. “Wer ihr begegnet, sollte sich über diesen seltenen Fund freuen“ meint der Vorsitzende des NABU Murrhardt. Mittlerweile steht die “Zwergboa” nicht nur in Deutschland unter Naturschutz, sondern gilt europaweit dank der FFH-Richtlinie als geschützte Art. Ein Hauptgrund für das Verschwinden heimischer Schlangen ist der Verlust und die Zerschneidung ihrer natürlichen Lebensräume. Die Schlingnatter bevorzugt strukturreiche Lebensräume. Stark beschattete Lebensräume und monotone Agrarlandschaften hingegen meidet sie. Ihre ökologischen Ansprüche sind hoch. Sie ernährt sich von Eidechsen, kleinen Blindschleichen, jungen Schlangen und Mäusen. Eine intakte Echsenpopulation ist als Nahrungsgrundlage unerlässlich” sagt Widmaier.
Bild: „NABU/L. Bleibtreu“