In einer tief eingeschnittenen Waldschlucht lag seit undenklicher Zeit die alte Wassermühle der Familie des Mühlenpeter. Früher war es einmal die "Waldmühle" gewesen. Warum sie, nachdem sie einmal einige Monate stillgestanden hatte, auf einmal "Geistermühle" geheißen wurde, das wusste bis heute keiner zu sagen.
Nun will ich ein altes Geheimnis lüften und erzählen, wie sie in jener Zeit - es ist schon viele Jahres her - zu diesem Namen kam:
Weil der Wasserfluss in regenarmen Sommern und trockenen Herbsten oft sehr spärlich war, wurde vor langer Zeit oberhalb der Mühle ein ganz ansehnlicher Weiher angelegt, in dem das Wasser des kleinen Baches für längere Zeit gespeichert werden konnte. Damit konnte dann auch in trockener Zeit immer noch Korn gemahlen werden. Im See tummelten sich dicke Karpfen und schnelle Hechte, das Neunauge und noch manch andere Fischart.
Zur Zeit des Mühlenpeter galt nicht nur das eigentliche Mahlwerk als gut eingestellte Mühle, alle Teile, die sich drehten und bewegten waren gepflegt und in bester Ordnung. Auch die Wege, die zur Mühle führten - ein schmaler Treidelpfad wird heute noch der Eselsweg genannt - sowie natürlich die ganzen Wasseranlagen: Der Mühldamm, Wehre, Fallen, Schleusen und Rinnen waren alle in bestem Zustand gehalten. Und was das Mahlen anbetraf, konnte Mühlenpeter nie auch nur die geringste Unregelmäßigkeit oder gar Unehrlichkeit nachgesagt werden. So wie das Korn zur Mühle gebracht wurde, so wurde es gemahlen und den Bauern ihr Mehl zurückgegeben.
Doch bei aller Rechtschaffenheit und allem Fleiß: es gab eine kurze, geheimnisvolle Zeit, in der irgendetwas mit der Mühle nicht stimmte, ein Geheimnis auf das Mühlenpeter nie angesprochen werden wollte. Und das war eben der Zeitpunkt an dem aus der "Waldmühle" die "Geistermühle" wurde.
In dem selben, für Peter so schwierigen Jahr, von dem ich nun erzählen will, hatten die Bauern vor Weihnachten viel Korn zum Mahlen gebracht, damit die Bäuerinnen genung feines, weißes Mehl für ihr Weihnachtsgebäck in ihrem Mehltruhen hatten. Aber nun waren schon einige Woche ins neue Jahr gegangen und kein Bauer brachte Korn zur Mühle. Scheinbar waren die Frauen in diesem Jahr mit ihrem Weihnachtsmehl sehr sparsam umgegangen. Peter hätte sehr wohl Arbeit gebrauchen können.
Als aber die Tage etwas länger wurden und Lichtmess im Kalender stand, da sah es aus als wären die Bauern aus ihrem Winterschlaf erwacht und brachten nun einer nach dem anderen, Sack um Sack Getreide zur Mühle.
Peter hatte schnell noch seinen Mahlgang auseinander genommen, hatte die Mahlsteine nach dem Richtscheit mit dem Kronhammer peinlich genau geebnet und mit der Brille Luftfruchen und Sprengschärfen nachgehauen. Er hatte den ganzen Tag hart gearbeitet, war müde und hatte genug. Am nächsten Morgen wollte er den Gang noch zusammenbauen, um dann gleich mit dem Mahlen zu beginnen. Die Bauern drängten, sie wollten ihr Mehl haben. Nach getaner Arbeit verriegelte er die Mühlentür, das wusste er nachher ganz bestimmt, ging zu Bett und schlief die ganze Nacht in einem Zug durch.
Als er am anderen Morgen in aller Frühe aufstand - bis seine Frau Gretel herauskam und das Frühstück gerichtet hatte, wollte er mit allem fertig sein - schlug ihm, als er vom Öhrn aus die Mühle betrat ein kalter Luftzug ins Gesicht. Die Mühlentür stand sperrangelweit offen. Auf dem Biet lag alles durcheinander und er sah, mit dem ersten Blick, dass seine beiden Mahlsteine verschwunden waren. Als er genauer nachsah musste er feststellen, dass auch sämtliche Eisenteile: Die Steinschale und die Steinhaue, das Mühleneisen mitsamt Trieb und Spurzapfen sowie der Aufhelf mit der Spurpfanne nicht mehr da waren. Er machte sich sogleich auf Spurensuche, doch schon nach kurzer Entfernung verloren sich alle Spuren im Sand.
Peters Mühlsteine waren weg!
Vor seinen Bauern versuchte Peter die ganze Angelegenheit so gut wie es ging zu verbergen. Jedoch, es sprach sich schnell herum, dass in Peters Mühle etwas sehr ungewöhnliches passiert sein musste. Peter war jeden Tag unterwegs und suchte ruhelos seine Steine und höre herum. Er ging hinaus aufs Land, sie waren nicht da. Er suchte auf Bergen und in tiefen Schluchten, er fand sie nicht. Sein Mahlwerk blieb verschwunden. Er ließ keinen Bauern in seine Mühle schauen, aber das Korn mahlen konnte er nicht und weil es nicht anders ging musste er, schweren Herzens den Bauern das Korn ungemahlen zurückgeben. Wo hatte es sowas schon einmal gegeben! Sie suchten andere Mühlen in der Nachbarschaft auf und um Peter wurde es einsam.
Er versuchte alles!
Immer wieder suchte den Mühlarzt Gottfried auf. Der kam überall in allen Mühlen herum und kannte sie alle in- und auswendig. Doch, Peters Mühlsteine, die er sofort wieder erkannt hätte, waren nirgendwo aufgetaucht. Er schaute in Scheunen und Schuppen, ob sie nicht irgendwo versteckt waren. Aber nichts, gar nichts!
Da sagte der Mühlarzt eines Tages so nebenbei: "Am besten Du gehst einmal zum Eulenbauer nach Krottenwinkelbach, der soll bei solchen Angelegenheiten helfen können."
Entrüstet lehnte Peter ab. Auch seine Gretel wollte davon nichts wissen. Der finstere Kleemeister war weit und breit bekannt und es hieß, dass er mit dem Teufel im Bund stehe. Gretel hatte von einer Kräuterfrau, die jedes Jahr einmal daher kam um Samen, Tee und allerhand Kräuter zu verkaufen, von diesem finsteren Mann gehört.
Doch als nun schon das Frühjahr in den Sommer überging und sich immer noch nichts gezeigt hatte, schob Peter seine guten Vorsätze zur Seite, und sagte nach einer durchwachten Nacht zu seiner Gretel: "Jetzt gehe ich zum Eulenbauer soll passieren was will." Gretel war schon zu dem Schluss gekommen und hatte sich heimlicherweise bei der Kräuterfrau kund gemacht wie es wohl beim Kleemeister aussah und zuging. Diese riet ihr, ihrem Mann auf jeden Fall eine Unruhe, z.B. drei blanke Fischköpfe, je einen von einem Karpfen, von einem Hecht und einer Schleie in die Jackentasche zu stecken. Sie standen jeweils für Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Zuvor solle er diese noch einige Stunden in Salzwasser legen. Diese immer wieder durcheinander geschüttelt erzeugen eine Unruhe, die alle bösen Geister und sogar den Teufel selbst nervös und vor allem Unaufmerksam machen. Mehrere Knoblauchzehen in der Hosentasche waren ebenfalls ein guter Schutz gegen allerhand Ungemach und böse Geister.
Peter machte sich also ein paar Tage später, so wohl versorgt an einem Vormittag auf den Weg nach dem gut drei Stunden Wegs entfernten Krottenwinkelbach, zum Kleemeister. Er fand den Hof, der vor allem als Abdeckerei bekannt war wie beschrieben an einem schnell fließenden Bach gelegen. Als er ankam hatte der Kleemeister gerade Besuch von ein paar finsteren Gesellen. Es hieß, dass solche von Zeit zu Zeit hier zusammenkamen und über bestimmte, für sie unangenehme Personen, Gericht zu halten. Als er Peter ansichtig wurde, kam er ihm entgegen und fragte nach seinen Wünschen. Peter erzählte sein Missgeschick. Der Eulenbauer verstand und sagte, er habe jetzt keine Zeit. Er solle zurück, nach Hause gehen und solle am anderen Morgen um neun Uhr wieder da sein, dann könne er es ihm sagen.
Es war schon später Nachmittag und Peter verspürte keine große Lust heute noch weit zu gehen, schon gar nicht bis nach Hause. Er schlich sich in eine Streuhütte, die zum Eulenhof gehörte, da wollte er die Nacht herumbringen. Schlaf wollte sich bei ihm nicht einstellen. Er hörte wie die unheimlichen Gesellen zu später Stunde, wie es sich anhörte, im Streit auseinander gingen. Bald darauf, es war kurz vor Mitternacht, bemerkte er, wie der Eulenbauer aus seiner Haustür kam und zum Bach trat. Da war eine große Steinplatte in den Boden eingelassen, das war offensichtlich eine dem Teufel geweihte Stätte. Dort murmelte er etwas vor sich hin, entnahm etwas seiner Jackentasche und streute es ins Wasser. Er hob noch ein paar faustgroße Steine vom Boden auf und warf diese ebenfalls ins Wasser.
Da begann im nahen Dorf die Kirchturmuhr 12 Uhr, Mitternacht, zu schlagen. Mit dem letzten Glockenschlag schrie er mit lauter Stimme in den Wald hinaus:
"Grüner Jäger komm!"
In der Ferne wetterleuchtete und donnerte es. Das Wasser brauste, ein Sturmwind kam auf, dass sich die Bäume bogen, und schon stand der Böse beim Eulenbauer und fragte nach seiner Begehr. Der erzählte ihm von Mühlenpeters großer Not und bat ihn um Rat und Hilfe. "Es stinkt hier nach Knoblauch und in einer Jackentasche stecken ein paar ganz unruhige, eklige Dinge, die müssen verschwinden. Und überhaupt hört uns einer zu und kann uns sehen. Sorge dafür, dass diese Ohren getopft und die Augen ausgestochen werden, dann will ich Dir sagen, wo die Mühlenteile sind." Jedoch der Kleemeister ließ sich nicht abwehren. "Du musst mir helfen. Ich habe vorhin mit meinen Komplizen so großen Ärger gehabt ich brauche einen Erfolg mein Ruf als Hexenmeister steht auf dem Spiel."
Peter in seinem Versteck hörte alles mit an. Es wurde ihm immer unheimlicher. Auf was hatte er sich nur eingelassen.
Der Teufel flüsterte dem Kleemeister etwas ins Ohr und war verschwunden. Der Kleemeister ging in sein Haus zurück und verschwand ebenfalls.
Dann war es totenstill.
Am anderen Morgen kurz vor neuen Uhr erhob sich Peter, prüfte ob noch alles in seinen Taschen war, schüttelte die Fischköpfe kräftig durcheinander. Die Knoblauchzehen! Ja sie waren da. Dann ging er zum Eulenbauer hinüber. Der war ganz außer sich.
"Was Du gemacht hast" schrie er Peter an "das geht auf keine Kuhhaut. Sei morgen früh um neun Uhr oben auf der alten Kohlhaldenstraße. Da stehen drei alte Eichen am Wegrand, darunter ein altes Feldkreuz aus Stein, dahinter versteckst Du Dich. Bald wird ein eigenartiges Fuhrwerk vorüberfahren, bespannt mit einem Pferd das lahmt und einem alten Ochsen, der kaum zu gehen vermag. Auch der Fuhrknecht ist nicht mehr gut beieinander. Folge diesem Gefährt mit großem Abstand, so dass Du nicht bemerkt wirst. Nach einer halben Stunde Wegs wird das Fuhrwerk links in einen fast unsichtbaren Weg einbiegen. Folge weiterhin. Der Mann kommt mit seinem Fuhrwerk an einen Bach, dem wird er ein Stück folgen. Dann kommt er an eine Stelle, die für den Bau einer Mühle gut geeignet ist. Dort hat er Deine Mühlsteine und alles andere unter Gras und Reißig verborgen. Dort will er eine neue Mühle bauen. Trete blitzschnell zu ihm, stecke Pferd und Ochsen eine Knoblauchzehe ins Maul, schüttle Deine Fischköpfe immer zu und gehe auf den Mann los. Der wird Dir in allen Dingen gefügig sein. Merke Dir: Es gibt gewaltige Mächte zwischen Himmel und Erde, zwischen Gut und Böse, die wider einander streiten und sich gegeseitig zu Fall bringen möchten. Pass auf, dass Du nicht zwischen die sich schnell drehenden Mühlsteine gerätst und von ihnen zermahlen wirst. Deshalb merke Dir alle meine Anweisungen und befolge sie sehr genau. Und jetzt verschwinde."
Das ließ sich Peter nicht zweimal sagen. Aber was sollte das heißen?
Peter war ganz verstört und machte sich eilends auf den Heimweg. Völlig erschöpft kam er zu hause an. Er war mürrisch und gereizt und wechselte mit seiner Gretel nur ein paar grobe Worte. Ihr war recht ungut zumute, sie hatte eine große, unbestimmte Angst und weinte still vor sich hin. Was war in diesen wenigen Stunden aus ihrem Peter geworden? Aschfahl im Gesicht, graue Haare hatte er über Nacht bekommen und ganz zitterig war er geworden. Er legte sich hin und schlief ein paar Stunden. Aber es blieb ihm nicht viel Zeit, der Weg zur Kronhalde war weit. Obwohl er noch nie dort gewesen war fand er den Weg ohne Probleme. Ebenso die angesagten drei Eichen und das Steinkreuz.
Es war aber auch höchste Zeit, gleich war es neun Uhr und kaum hatte er sich versteckt hörte er schon in der Ferne mit lautem Getöse und Geschimpfe ein Fuhrwerk herankommen. Der Fuhrmann schien ein ganz widerlicher Mensch zu sein. Er fluchte ununterbrochen und schlug andauern mit einem Stecken auf seine Tiere ein.
Und nun lief alles genau so ab, wie es ihm der Eulenbauer voraus gesagt hatte: Er folgte dem Fuhrwerk in genügendem Abstand und als es an der angesagten Stelle am Bach anhielt trat Peter entschlossen vor, die Fischköpfe schüttelnd und die Knoblauchzehen auf den Mann zeigend trat er zu ihm, im Vorbeigehen steckte er dem Pferd und dem Ochsen eine Knoblauchzehe ins Maul. Der Mann war völlig überrascht. Alles war wie gebannt und erstarrt. Es war auf einmal ganz still geworden. Selbst der Bach hörte auf zu murmeln und der Wind war stehen geblieben, und Peter fühlte, dass er der Herr der Situation war und alles in seiner Gewalt hatte. Er blickte den Mann scharf an und sagte nur: "Du weißt Bescheid. Spute Dich! Meine Mühle!"
Im Nu drehte der sein Fuhrwerk um und mit Riesenkräften zog er die Mühlsteine mit allem Zubehör aus dem Versteck und lud es auf den Wagen. Peter musste nur aufpassen, dass er ihn nicht aus den Augen verlor. Er spürte, dass der Mann auf eine Gelegenheit wartete ihm zu entwischen.
Als der Wagen beladen war sagte Peter: "Jetzt aber auf dem kürzesten und allerschnellsten Weg zu meiner Mühle."
Das ging alles blitzschnell vor sich und an der Mühle angekommen begann der Mann sofort mit dem Abladen und dem Aufbauen des Mahlwerks. Peter achtete genau darauf, dass alles an seine richtige Stelle kam, ließ aber dabei den eigenartigen Mann weiterhin nicht aus den Augen und schüttelte seine Fischköpfe in der Tasche immer wieder fest durcheinander.
Als alles fertig war sprang Peter auf ihn zu, stieß ihn zu Boden und sprach den Losspruch des gebannten Diebes wie es ihm vom unheimlichen Eulenbauer geheißen war: "Gehe hin, wo Du bist hergekommen, und hüte Dich, dass Du Deine Hand weder an mein oder fremdes Gut legst. Gehe hin in drei Teufels Namen!"
Er wies mit dem Daumen den Weg und sagte grob: "Verschwinde!"
Und siehe: Gleich war auch schon der ganze Spuk vorbei, und die Mühle drehte sich wieder.
Hatte er geträumt?
Aber leider bekam er es sehr wohl zu spüren, dass es kein Traum gewesen war. Als sich sein Mühlrad wieder drehte, seine Mühle wieder klapperte und es sich herumsprach, dass Peters Mühle wieder Korn mahlen konnte, kamen die Bauern nur sehr zaghaft zu ihm zurück und brachten nur einen kleinen Teil ihres Bedarfs zum Mühlenpeter.
Wenn er auch noch so gutes Mehl müllerte und noch so gute Preise machte, die Bauern waren misstrauisch und kamen nicht so wie vorher.
Da meinte eines Tages seine kluge Gretel: "Muss nicht jeder Bauer jedes Jahr und immer wieder neu seine Samenkörner ausstreuen wenn er im Herbst ernten will? Kann es denn nach alledem was uns geschehen ist einfach so weitergehen wie wenn nichts gewesen wäre? Wollen wir nicht ernten ohne gesäht zu haben? Das ist ein richtiger Neuanfang. Wir müssen, denke ich, ein richtiges Opfer bringen. Wir haben doch unter dem Biet das kleine Leinensäckchen mit etlichen goldenen Dukaten versteckt, die wir für den aller äußersten Notfall auf die Seite gelegt haben. Was meinst Du, wenn wir ab und zu einem unserer Bauern einen solchen Dukaten in seinen Mehlsack ins Mehl legen, was da passiert?"
Da waren aber Dukaten von Peters Vater und Großvater dabei, diese waren Peter heilig, und die wollte er nicht hergeben. Aber schließlich brachte er es doch übers Herz und ließ einem großen sehr geizigen Bauern, der nur noch selten Korn zum Mahlen brachte, einen Dukaten ins Mehl fallen. So machte er es noch etliche Male bei anderen Bauern auch.
Einige Zeit verging, da stand doch der geizige Bauer schon wieder mit einigen Säcken vor der Tür und wollte sein Korn gemahlen haben. Auch die Andern kamen nun in kürzeren Abständen wieder mit ihren prall gefüllten Kornsäcken. Gretel hatte lauter solche Leute ausgesucht, die dafür bekannt waren, dass sie Neuigkeiten sehr schwer für sich behalten konnten. So sprach es sich schnell herum, dass in Peters Mehlsäcken manchmal das Glück zu finden war und darauf wollte keiner verzichten.
Peter legte nur noch selten einen Dukaten ins Mehl, aber seine Mühle lief bald wieder Tag und Nacht. Bald hatte er wieder sein früheres Ansehen und konnte sogar wieder einen ordentlichen Mahllohn für seine Arbeit verlangen. Er war mit der Zeit ein sehr wohlhabender Müller geworden.
Als ich an einem Spätnachmittag im Herbst zur Mühle hinunter stieg um nach meinem Mehl zu fragen stand die Mühle still. Das hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Vor der Mühlentür stand ein knorriger Wanderstock. Ich ging hinein und hörte, dass im Mahlstübchen gesprochen wurde. Ich stand hinter der angelehnten Tür und konnte das ganze Gespräch anhören. Ich hatte zwar ein bisschen ein schlechtes Gewissen, aber was ich da zu hören bekam zog mich völlig in seinen Bann.
Der Onkel des Peter, der in einer fernen Stadt als Bischof amtete war bei einer Wanderung hier angekommen. Ihm erzählte Peter gerade die ganze merkwürdige Geschichte. Als er geendet hatte, habe ich mich ganz leise davon geschlichen. Jedoch, Peter musste etwas von meiner Anwesenheit bemerkt haben, mein bisher so herzliches Verhältnis zu Peter hatte einen Knacks bekommen.
Bisher habe ich die Geschichte für mich behalten. Nun ist es schon über ein Jahr her, dass Mühlenpeter gestorben ist - seine Gretel ist schon lange tot - und nun habe ich mich entschlossen, Euch als Erste diese geheimnisvolle Geschichte der "Geistermühle", diesen Namen wurde sie nicht mehr los, zu erzählen.
Peter war der letzte Bewohner der Mühle gewesen. Seither hat sich niemand mehr gefunden, der hier wieder einziehen wollte. Der Mühlkanal und der Teich verlanden, das Mühlengebäude fängt an zu verfallen und der Name "Geistermühle" bekommt immer mehr seine Berechtigung.