Startseite
Unser Naturpark
Naturparkzentrum
Termine 2012
Naturpark PROJEKTE
Direktvermarkter-Börse
Natur-Erlebnis-Börse
Tourismus
Barrierefrei
Welterbe Limes
Der Förster informiert
Naturparke in Deutschland
Literatur • Bücher • Karten
Links & Downloads
Archiv
Suchen + Finden

Dolomitkalk und Holzasche hilft dem sauren Waldboden

Bodenschutzkalkungen stabilisieren das Waldökosystem

 
Auf einer Waldfläche von insgesamt rund 1300 Hektar in den Regierungsbezirken Tübingen und Stuttgart startet ab kommenden Mittwoch, 8. Oktober 2008, eine von der Forstverwaltung koordinierte Bodenschutzkalkung. Mit der Ausbringung von Dolomitkalk und teilweise Holzasche sollen die Versauerung der Waldböden abgemildert und die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden wieder verbessert werden. Dadurch wird die Stabilität der Waldökosysteme erhöht.

 

Gekalkt werden bei der geplanten Kalkungsaktion in den beiden Regierungsbezirken vorrangig Staatswaldflächen im Landkreis Biberach (ca. 400 Hektar), im Alb-Donau-Kreis (ca. 400 Hektar), im Landkreis Heidenheim (ca. 200 Hektar) und im Stadtkreis Ulm (ca. 300 Hektar). Ansprechpartner vor Ort sind die jeweiligen unteren Forstbehörden der Stadt- und Landkreise.
Koordiniert wird die Maßnahme von der Abteilung Forstdirektion des Regierungspräsidiums Tübingen in Zusammenarbeit mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg. Von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt erfolgten hierzu im Vorfeld u.a. Analysen des chemischen Bodenzustandes und teilweise auch Nadel- und Blattanalysen, um die jeweilige Kalkungsnotwendigkeit festzustellen. Auf etwa 600 Hektar findet zum ersten Mal ein großflächig angelegter Praxisversuch zur Ausbringung eines Kalk-Holzaschegemischs (70% Dolomitkalk und 30% Holzasche statt).


Die anhaltenden Schadstoff-Immissionen führen bei Waldböden weiterhin zu bodenchemischen Veränderungen und zur Versauerung der Oberböden. Auf einem Teil der Waldfläche können die natürlichen Regulationsmechanismen der Böden die hohen Stoffeinträge heute nicht mehr kompensieren. Eine Versauerung der Böden bewirkt u.a., dass bisher im Boden gebundene Schadstoffe frei werden und ins Grundwasser gelangen. Ebenso werden lebenswichtige Nährelemente ausgewaschen und stehen den Bäumen für ein gesundes Wachstum nicht mehr zur Verfügung. Folgen sind eine geringere Nährstoffverfügbarkeit für die Bäume, gestörte Prozesse bei der Humusumsetzung, Verarmung der Bodenflora und -fauna und letztendlich auch negative Auswirkungen auf die Grundwasserqualität.

Mit der vorgesehenen Kalkungsaktion soll auf den ausgewählten Waldflächen der Säureeintrag abgepuffert und der Versauerung entgegengewirkt werden. Der bodenchemische Zustand der Waldböden und die Lebensbedingungen für Bodenlebewesen, insbesondere für die Regenwürmer, wird dadurch deutlich verbessert. Die durch die Kalkung geförderte biologische Aktivität schafft Porenraum, ermöglicht eine bessere und intensivere Durchwurzelung und verbessert zudem das Nährstoffangebot.

Die Nutzung von Holz als eine Quelle erneuerbarer Energie ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und wird weiter an Bedeutung gewinnen. Dabei werden zunehmend auf einzelnen Waldflächen auch vermehrt früher nicht nutzbare Baumteile wie Äste und Zweige der Baumkronen und somit potentielle Nährstoffe dem Wald entzogen. Durch den Praxisversuch mit der Rückführung von Holzasche soll u.a. untersucht werden, wie dieser Nährstoffexport ausgeglichen werden kann. Aschen aus unbehandeltem Waldholz stellen hierfür einen wertvollen Mehrnährstoffdünger dar, da bei der Verbrennung sich Hauptnährelemente wie Calcium, Magnesium, Kalium und Phosphor in der Asche auf Anteile von bis zu 50 – 80 % anreichern. Für die Waldernährung besonders wichtig sind die Kalium- und Phosphoranteile in der Holzasche, da bei diesen Nährstoffen in den letzten Jahren durch sauren Regen und Nährstoffauswaschung teilweise eine Unterversorgung der Wälder aufgetreten ist. Letztendlich stellt die Rückführung der Holzasche einen Beitrag zum geschlossenen Nährstoffkreislauf dar.

Ausgebracht wird der Kalk auf zweierlei Weise: Zum einen von Fahrzeugen, die den Kalk mit Verblasegeräten bis zu 70 Meter weit in den Wald blasen. In der Nähe von Erholungsschwerpunkten und Straßen sowie in nur eingeschränkt befahrbaren Flächen wird der Kalkstaub angefeuchtet und vom Hubschrauber ausgebracht. Je Hektar werden ca. 3,5 Tonnen Gesteinsmehl (Dolomit) ausgebracht. Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen durch das Kalkmaterial bzw. die Kalk-Holzaschemischung besteht nicht. Die betroffenen Waldgebiete werden während der Ausbringungsphase teilweise gesperrt. Die Waldbesucher werden gebeten, die entsprechenden Sperrhinweise zu beachten.

Die Kosten der Kalkung mit Dolomitkalk bewegen sich zwischen 150 und 250 Euro pro Hektar je nach Ausbringungsart. Die Gesamtkosten einschließlich des Holzaschepraxisversuchs liegen bei ca. 400.000 Euro und werden überwiegend vom Land getragen.

Kommunen und private Waldbesitzer können grundsätzlich bei Bodenschutzkalkungen einen staatlichen Zuschuss von 90% der Kosten erhalten. Um eine nachhaltige Wirkung solcher Schutzkalkungen zu erhalten, sollten diese alle 10-15 Jahre wiederholt werden.